Zauberwald

Snorgels Geschichte

Es begab sich im Winter des Jahres 2020, jenem Winter, in dem es auf der Welt sehr viel ruhiger war, als das normalerweise zu dieser Jahreszeit der Fall ist, da ereignete sich im Kletterwald Marburg eine verrückte Geschichte.

Wie in jedem Winter waren auch in diesem Jahr drei Leute vom Wartungsteam in den Wald gekommen, um die Schäden zu reparieren, die das stürmische Herbstwetter hinterlassen hatte. Doch eine Sache war diesmal anders. Vom ersten Tag an hatten die drei das Gefühl, bei der Arbeit von jemandem beobachtet zu werden. Aber von wem? Es war keiner zu sehen.

Am zweiten Tag bemerkten sie, dass sich über Nacht im Wald so einiges verändert hatte. Viele der Schilder standen nicht mehr dort, wo sie hingehörten, und auch ein paar der Kletterelemente waren ganz eindeutig verschoben worden! Während die Männer sich noch die Bärte kratzten und die Frauen rätselten, wie das alles zugegangen sein mochte, hörten sie ein seltsames Geräusch. Es klang wie ein heiseres Kichern, aber so sehr sie auch suchten, sie konnten niemanden entdecken.

Als dann aber am dritten Tag auch noch plötzlich riesige Tausendfüßler und viele bunte Schmetterlinge im Wald auftauchten, war allen klar, dass hier ein Schelm am Werk sein musste! Also legten sie sich in der Nacht auf die Lauer, um den Störenfried auf frischer Tat zu ertappen. Stundenlang harrten sie aus in ihrem Versteck. Lange Zeit geschah gar nichts. Aber dann erspähten sie ein kleines Geschöpf, das kichernd zwischen den Bäumen hin und her huschte, blitzschnell in die Baumkronen hinaufkletterte und sich einen Spaß daraus machte, die Kletterelemente zu vertauschen.

Am nächsten Morgen beratschlagten sie, ob sie den kleinen Kerl vielleicht einfangen und vertreiben sollten. Aber der Besitzer des Kletterwalds freute sich über den neuen Mitbewohner, auch wenn der nichts als Unsinn im Sinn hatte. Ja, inzwischen sind sogar noch einige seiner Freunde eingezogen, skurrile Wesen in allen Größen und Farben. Leider bekommt man den nachtaktiven Schelm kaum je zu Gesicht. Nur ein einziges Mal hat er sich gezeigt, zuerst einen Hopser gemacht, dann eine Verbeugung und mit krächzender Stimme gesagt: „Gestatten, mein Name ist Snorgel!“ Und so plötzlich, wie er aufgetaucht war, war er auch schon wieder verschwunden.

Aber wenn Ihr die Augen offenhaltet, könnt Ihr überall im Wald die Spuren von Snorgels Streichen entdecken. Und, wer weiß? Vielleicht zeigt er sich eines Tages ja doch wieder.